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Rigobert Dittmann, Bad Alchemy, Deutschland, 61/2009


Fünfzehn Jahre nach Piano Duets - Live in Berlin 93/94 (FMP) war ein musikalisches Tête-à-tête des Pianistenpaares AKI TAKASE - ALEXANDER VON SCHLIPPENBACH überfällig. Iron Wedding (Intakt CD 160) meint jetzt keine 65 Jahre, sondern spielt wohl auf alle mit Handschellen aneinander gefesselten Pärchen der Filmgeschichte an und vielleicht auch auf die Manschetten, mit denen die beiden manchmal Piano für 4 Hände spielen. Ähnlich eisern halten die beiden einer Vorstellung von Kreativität die Treue, die den Schubladen Jazz, Improvisierte oder Neue Musik spottet. Hier sind 'Twelve Tone Tales‘ und 'Passacaglia 1, 2, 3‘, bei denen Schönberg und B.A. Zimmermann durchschimmern, keine fremden Bettgenossen neben den New Things aus New York, London, Antwerpen oder Berlin. Wer die Musik von Takase und Schlippenbach im Ohr hat, solo oder in kleineren Besetzungen - sie etwa im Duo mit Silke Eberhard, ihn im Trio mit Parker & Lovens oder mit Monk‘s Casino - , besser noch, wer diese Klangwelten live im Sinn hat, den wird hier kaum etwas wirklich überraschen, außer der gemeinsamen Fähigkeit, nicht nachzulassen, was markante Erfindungen und intensive, kluge Interaktionen angeht. Der Beginn, 'Early Light‘ ist fast impressionistisch, Sonnenaufgang à la Monet und Debussy, mit 'Dwarn‘s Late Night‘ als sternfunkelndem Gegenstück. Schon 'Circuit‘ steht dann unter Strom, als gehämmerter Futurismus, während 'Steinblock‘ lautmalerisch im Steinbruch klopft und dabei an den Auftaktriff des Sacre du printemps erinnert, dessen archaischer tänzerischer Duktus in 'Yui‘s Dance‘ modern und sprunghaft wiederkehrt. Die 'Suite in Five Parts‘ stellt sich zu Webern, um gemeinsam eine letzte Zigarette zu rauchen und den Vögeln für Morgen eine Handvoll Körner zu streuen. 'Gold Inside‘ meint keine Nuggets, sondern das Innenklavier als Schatztruhe, während 'Eight‘ barocke Motorik ans Tempolimit treibt. Bei 'Zankapfel‘ bringt einer der beiden eine Celesta ins Spiel, eine vielleicht nicht diskordianische, aber pfiffige Strategie. Die Aleatorik von 'Thown In‘, die auch ‚Off Hand‘ durchtröpfelt, bekommt bei 'Rain‘ ihren wahren Namen. Das Titelstück, nach der 'Suite‘ der zweitlängste Track, macht dann gut hörbar, dass Paare ganz anders als Alleingänge funktionieren. Mögen die Partner noch so sperrig und eigen sein, hier verstärken und verbinden sich ihre Persönlichkeiten in inniger Empathie, die immer auch eine Technik ist, ein Know-how.